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Künstliche Intelligenz (KI) beschreibt Systeme, die Aufgaben erledigen, für die normalerweise menschliche Intelligenz erforderlich wäre. Das reicht von einfacher Mustererkennung bis hin zu komplexen Entscheidungen.
Maschinelles Lernen (ML) ist die wichtigste Methode hinter moderner KI: Statt starrer Regeln lernt das System aus Beispieldaten. Ein Spamfilter lernt aus tausenden klassifizierten E-Mails, was Spam ist – ohne dass ein Mensch jede Regel einzeln einprogrammiert. Generative KI (wie ChatGPT) ist eine Unterform: Sie erzeugt eigenständig neue Texte, Bilder oder Code auf Basis gelernter Muster.
Arten von KI:
| Art | Kurzbeschreibung | Beispiel aus der Verwaltung |
|---|---|---|
| Schwache KI (Narrow AI) | Eine Aufgabe, z. B. Sortieren oder Erkennen | Anträge automatisch nach Antragsart sortieren |
| Starke KI (General AI) | Jede intellektuelle Aufgabe – theoretisch | Existiert noch nicht. Wäre ein „digitaler Sachbearbeiter“ mit menschenähnlichem Verständnis. |
| Superintelligenz | Übersteigt menschliche Intelligenz in allen Bereichen | Hypothetisches Szenario. Thema der Science-Fiction, nicht der Verwaltungspraxis. |
KI ist nicht "intelligent" im menschlichen Sinne. Sie erkennt Muster in Daten, versteht aber nicht, was sie tut. Ein Chatbot hat kein "Verständnis" von Verwaltungsrecht. Er reproduziert nur, was in seinen Trainingsdaten häufig vorkam.
Wichtig für die Verwaltung: Alle KI-Systeme, die wir aktuell einsetzen (oder einsetzen könnten), fallen unter die schwache KI. Sie sind hochspezialisiert und keineswegs allwissend.
KI ist längst nicht mehr Zukunftsmusik – sie ist schon heute in vielen Verwaltungsprozessen präsent:
Eine Behörde erhält täglich hunderte Anträge auf Leistungen nach SGB II und SGB XII. Ein KI-System sortiert eingehende Anträge nach Vollständigkeit: Fehlen Unterlagen, wird der Antrag automatisch zurückgegeben. Ist alles vorhanden, leitet das System den Antrag an den zuständigen Sachbearbeiter weiter. Wichtig: Die KI prüft nur FORMALE Kriterien (Dokumente vorhanden?), nicht INHALTLICHE (Anspruch besteht?).
Aber: Bei all diesen Anwendungen entscheidet letztlich ein Mensch. Die KI gibt Vorschläge, sortiert vor oder beantwortet Standardfragen – sie trifft aber keine rechtsverbindlichen Entscheidungen.
Halluzinationen: Generative KI (wie ChatGPT) kann überzeugend klingende, aber völlig falsche Informationen produzieren. Ein Chatbot könnte einen fiktiven Paragraphen erfinden oder eine falsche Frist nennen – und es würde glaubwürdig klingen.
Wissensstand – früher und heute: Lange galt: KI kennt nur das, was in ihren Trainingsdaten steht. Was bis zum Trainings-Stichtag (z. B. 2023) in den Daten stand, war für die KI „der Stand des Wissens". Das hat sich geändert:
Aber: Diese Fähigkeiten gelten nur für Online-Systeme. Offline-Modelle oder spezialisierte Systeme ohne Internetzugang bleiben auf dem Stand ihrer Trainingsdaten. Und wenn die Websuche keine eindeutigen Ergebnisse liefert, greift die KI auf alte Muster zurück – ohne das transparent mitzuteilen.
Diskriminierung durch Daten: Wenn die Trainingsdaten bereits Vorurteile enthalten, reproduziert die KI diese. Beispiel aus einem Verwaltungsalltag: Ein KI-System zur automatisierten Vorsortierung von Anträgen wird mit historischen Daten trainiert. In den alten Daten wurden Anträge aus bestimmten Stadtbezirken systematisch später bearbeitet. Die KI „lernt": Diese Bezirke haben niedrigere Priorität. Oder: Ein System zur Stellenbesetzung schlägt auf Basis historischer Daten überwiegend männliche Kandidaten vor, weil früher mehr Männer eingestellt wurden. Die KI kopiert Unfairness, ohne es zu merken.
Personenbezogene Daten, Sozialdaten oder vertrauliche Informationen niemals in kostenlose KI-Tools (z.B. ChatGPT Free, Gemini Free) eingeben – diese verarbeiten Daten ggf. für das Training. Workaround: Anonymisieren Sie Ihre Beispiele: Statt „Herr Müller, geb. 1965, Antrag SGB II" schreiben Sie „Person A, mittleres Alter, Antrag Sozialleistung". Enterprise-Versionen (M365 Copilot, ChatGPT Enterprise mit EU-Datenhaltung) können bei behördlicher Freigabe anders bewertet werden – fragen Sie Ihre IT-Abteilung.
Die KI ist die produktivste Assistenzkraft der Welt, aber sie trägt keine Verantwortung. Kein Abteilungsleiter würde den Entwurf eines Praktikanten ungeprüft als offiziellen Verwaltungsakt unterschreiben. Jede KI-Ausgabe ist ein Entwurf und erfordert zwingend die fachliche Endkontrolle durch eine qualifizierte Fachkraft.
Wie nutzen Sie KI in Ihrer Behörde zu diesem Thema? Teilen Sie Erfahrungen, stellen Sie Fragen — anonym oder mit E-Mail. Kommentare liegen auf eigenen Servern (DSGVO-konform).