Kurs in Entwicklung – Beta-Version
Stufe 2: Application Layer

Algorithmus-Kritik und KI-Gestaltung

⏱ 18 Min 📋 Pflichtmodul 🔓 Verfügbar KMK #6 | DigComp Reflexion

Lernziele

1. Was ist ein Algorithmus?

Ein Algorithmus ist nichts anderes als eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Lösung eines Problems. Wenn Sie einen Antrag auf Wohngeld stellen, prüft ein Sachbearbeiter nach festen Regeln: Einkommen, Miete, Familienstand – das ist algorithmisch.

Der Unterschied: Ein Computer-Algorithmus macht das automatisch und skaliert es auf tausende Fälle. Das ist effizient – aber auch gefährlich, wenn die Regeln fehlerhaft oder ungerecht sind.

Praxisfall: Wohngeld-Rechner

Ein Wohngeld-Rechner ist ein einfacher Algorithmus: Er nimmt Eingaben (Einkommen, Miete, Personen im Haushalt) und berechnet nach festen Regeln einen Betrag. Kritisch wird es, wenn der Algorithmus nicht nur rechnet, sondern auch bewertet – z.B. "Angemessenheit der Wohnung" mit Hilfe von Marktdaten.

2. Algorithmen in der Verwaltung – Wo begegnen sie uns?

Algorithmen sind bereits in vielen Verwaltungsprozessen verankert – oft unsichtbar:

Kritisch: Black-Box-Problematik

Viele moderne KI-Algorithmen (insbesondere Deep Learning) sind Black-Box-Systeme: Sie liefern Ergebnisse, aber niemand kann genau nachvollziehen, warum sie zu einer bestimmten Entscheidung gekommen sind. In der Verwaltung ist das ein Problem – denn Begründungspflicht und Nachprüfbarkeit sind zentral.

3. Algorithmus-Kritik: Was kann schiefgehen?

Algorithmen sind nicht neutral. Sie spiegeln die Annahmen ihrer Entwickler und die Daten ihrer Trainingszeit wider. Typische Probleme:

Praxisfall: Scoring-System Jobcenter

Ein Jobcenter setzt ein KI-System ein, das Bewerber:innen nach Chancen auf dem Arbeitsmarkt einstuft. Die Trainingsdaten stammen aus den 2000ern. Das System bewertet Menschen mit Migrationshintergrund systematisch schlechter, weil sie in den alten Daten seltener „erfolgreich“ waren. Das ist kein bewusster Rassismus – das System hat das Muster gelernt und reproduziert es nun automatisch.

4. Gestaltungsprinzipien für faire Algorithmen

Wie können Algorithmen so gestaltet werden, dass sie fair, transparent und überprüfbar sind? Die EU Trustworthy AI Guidelines und der EU AI Act geben hier Orientierung:

Merksatz

Algorithmen sind keine neutralen Werkzeuge – sie spiegeln Annahmen, Daten und Machtverhältnisse wider. Vertrauenswürdige Algorithmen brauchen Transparenz, Fairness-Audits und menschliche Aufsicht. Der EU AI Act verlangt genau das für hochriskante Systeme.

5. Prüfung und Auditierung von Algorithmen

Als Mitarbeitende im öffentlichen Dienst können Sie bei jedem neuen KI-System diese Fragen stellen:

Rechtlich: Art. 13 EU AI Act (Transparenz)

Anbieter hochriskanter KI-Systeme müssen nach Art. 13 EU AI Act sicherstellen, dass ihr System so transparent ist, dass Betreiber die Ausgaben angemessen interpretieren und nutzen können. Das bedeutet: Nicht nur Techniker, sondern auch Sachbearbeiter:innen müssen die Entscheidungsgrundlagen verstehen und dokumentieren können.

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