Woran sich der KI-Führerschein messen lässt
Eine Behörde, die den Kurs einsetzt, muss begründen können, welchen Anforderungen er genügt. Artikel 4 der KI-Verordnung verlangt Maßnahmen für die KI-Kompetenz des Personals, und die Bronze-Stufe ist als eine solche Maßnahme gebaut. Von den sieben Anforderungen der EU-Leitlinien für vertrauenswürdige KI stehen sechs in den Bronze-Modulen. Die fehlende, Anforderung 6 zum gesellschaftlichen und ökologischen Wohlergehen, steckt in einem Wahlmodul auf Silber. Ein Prüfzeichen von außen gibt es nicht, und die Prüfungen laufen ohne Aufsicht im Browser. Alle Einordnungen auf dieser Seite sind deshalb unsere eigene Einschätzung.
Was der Kurs heute enthält
Seit dem 20. September 2026 hat der Kurs vier Abzeichen. Das KI-Pferdchen ist der Einstieg und für die Dokumentation einer Maßnahme zur KI-Kompetenz zu knapp. Bronze umfasst die Module 1.1 bis 1.7 und eine Prüfung mit 20 Fragen. Silber verlangt vier Kernmodule, zwei von vier Wahlmodulen, eine Prüfung mit 15 Fragen und eine eigene Arbeitsprobe. Gold besteht aus vier Modulen und einem Praxisfall, in dem die Teilnehmenden ihr eigenes KI-Vorhaben beschreiben und gegen eine Rubrik selbst prüfen. Beide Prüfungen sind ab 80 Prozent bestanden. Für jedes Abzeichen gibt es eine Teilnahmebescheinigung zum Ausdrucken. Sie nennt Art, Inhalt und zeitlichen Umfang der Maßnahme und das Datum.
Vergleich mit den Rahmenwerken
KI-Verordnung, Artikel 4
Nach Artikel 4 ergreifen Anbieter und Betreiber von KI-Systemen Maßnahmen, um die Entwicklung der KI-Kompetenz ihres Personals und weiterer Personen zu unterstützen, die in ihrem Auftrag mit KI-Systemen arbeiten. Dabei zählen Vorkenntnisse, Erfahrung, Ausbildung und der Einsatzkontext. Ein bestimmtes Niveau je Person muss die Behörde nicht garantieren. Eine bestimmte Bescheinigung verlangt die EU-Kommission nicht. Eine interne Dokumentation der Schulungen und anderer Maßnahmen nennt sie als Möglichkeit. Bronze ist so gebaut, dass eine Behörde damit dokumentieren kann, welche Maßnahmen für KI-Kompetenz sie ergriffen hat. Ob das für die KI-Systeme im eigenen Haus genügt, beurteilt die Behörde selbst.
EU-Leitlinien für vertrauenswürdige KI
Sechs der sieben Anforderungen stehen in den Bronze-Modulen. Das Wohlergehen von Gesellschaft und Umwelt behandelt Modul 2.5, auf Silber eines von vier Wahlmodulen. Bei einer anderen Wahl bleibt diese Anforderung unbearbeitet.
DigComp 2.2
DigComp 2.2 hat den europäischen Referenzrahmen für digitale Kompetenzen um Beispiele zu KI ergänzt. Bronze deckt den Umgang mit Information und Daten sowie die Sicherheit ab. Kommunikation, Inhaltserstellung und Problemlösen kommen über die Wahlmodule 2.8 und 2.3 dazu.
Kultusministerkonferenz, Bildung in der digitalen Welt
Medienkritik, Datenschutz und Urheberrecht stehen in den Bronze-Modulen. Algorithmus-Kritik und das Gestalten von KI-Systemen behandelt Modul 2.7, die Produktion von Behördenpublikationen mit KI das Modul 2.8. Beide sind Wahlmodule.
Vorgaben des BSI für KI-Systeme
Die Vorgaben beschreiben technische und organisatorische Maßnahmen für den Betrieb von KI-Systemen und keine Schulungsinhalte. Für einen Kurs sind sie kein Maßstab. Für die Einführung eines KI-Systems in der Behörde bleiben sie es.
Abdeckung der sieben EU-Anforderungen
Die EU-Leitlinien für vertrauenswürdige KI nennen sieben Anforderungen. Die Tabelle ordnet jeder Anforderung das Modul zu, in dem sie behandelt wird, und die Stelle, an der das geprüft wird.
| Anforderung | Modul | Stand | Geprüft durch |
|---|---|---|---|
| 1. Handlungsfähigkeit und Aufsicht des Menschen | 1.6 Grenzen des KI-Einsatzes | Abgedeckt | Quiz 1.6 und die Bronze-Prüfung fragen, welche Entscheidung nie allein von einer KI getroffen werden darf. |
| 2. Technische Robustheit und Sicherheit | 1.1 KI-Grundlagen für die Verwaltung, 1.7 Sicher und regelkonform im Dienst | Abgedeckt | Halluzinationen als technische Grenze, geprüft in Quiz 1.1. Versteckte Anweisungen, KI-Phishing und Deepfakes, geprüft in Quiz 1.7 und in der Bronze-Prüfung. |
| 3. Privatsphäre und Datenhaltung | 1.3 Datenschutz und KI | Abgedeckt | Rechtsgrundlage, Datenschutz-Folgenabschätzung und personenbezogene Daten in Eingaben, geprüft in Quiz 1.3 und in der Übung zum Entschärfen einer Eingabe. |
| 4. Transparenz | 1.2 Der EU AI Act, 1.4 Ethische Aspekte | Abgedeckt | Risikoklassen und Transparenzpflichten der KI-Verordnung, geprüft in Quiz 1.2. |
| 5. Vielfalt, Nichtdiskriminierung und Fairness | 1.4 Ethische Aspekte, vertieft in 2.7 Algorithmus-Kritik | Abgedeckt | Verzerrungen in Trainingsdaten und der Bezug zum AGG, geprüft in Quiz 1.4 und Quiz 2.7. |
| 6. Wohlergehen von Gesellschaft und Umwelt | 2.5 KI und Nachhaltigkeit | Teilweise | Energiebedarf und Folgenabwägung, geprüft in Quiz 2.5. Auf Silber ist 2.5 eines von vier Wahlmodulen. |
| 7. Rechenschaft | 1.6 Grenzen, 1.2 Der EU AI Act, auf Gold 3.2 KI-Systeme evaluieren | Abgedeckt | Dokumentationspflichten und die Rolle des Menschen in der Entscheidung, geprüft in Quiz 1.6 und Quiz 3.2. |
Was offen bleibt
Prüfzeichen von außen
Eine Zusammenarbeit mit einer anerkannten Prüfstelle wie TÜV oder DEKRA wäre der Weg zu einem Prüfzeichen. Angefragt ist bisher nichts.
Prüfung ohne Aufsicht
Beide Prüfungen laufen im Browser, ohne Identitätskontrolle und ohne festes Zeitfenster. Für einen Nachweis, den ein Dritter ohne weitere Annahmen akzeptiert, reicht das nicht.
Kein Protokoll je Person
Das ist so gewollt. Der Kurs kennt keine Namen, der Lernstand hängt nur an einem zufälligen Code. Eine Behörde, die einen zentralen Nachweis braucht, sammelt die Bescheinigungen ein.
Wahlmodule auf Silber
Auf Silber sind 2.3, 2.5, 2.7 und 2.8 Wahlmodule, von denen zwei belegt werden. Damit bleibt regelmäßig eine der Lücken bei DigComp 2.2, bei den KMK-Kompetenzen oder bei der sechsten EU-Anforderung offen.
Eine bundesweit einheitliche Prüfung für einen KI-Führerschein gibt es in Deutschland nicht. Solange das so ist, sind die EU-Vorgaben der schärfste verfügbare Maßstab.